Zentimeter, Schiffchen, Oberfaden; ein Scherenschnitt:

Autor und Fotografie: Simon Niebel, Anfang März 2020

„Was zählt ist Farbe!“ …, höre ich sie ins Telefon staten!

Ein Blick in ihren Räumlichkeiten herumgeworfen, bekräftigt dieses Statement ohne Wenn und Aber. Kein Zweifel; Stephanies Lebensgefühl schneidert, kleidet sie sich selbst, Saison für Saison, immer wieder neu in vielfarbiges „Ja-zur-Lebendigkeit“; ja, zu Stolz und Kraft, Energie und einem herrlich authentischem Selbstbewusstsein.

Und inmitten all der farbigen Lebenslust stehe ich nun, meine Kamera in der Hand mit der Absicht, Stephanies Schaffen mit meinem Blick festzuhalten …

Der Chai-Tee, den sie uns aufgebrüht hat, wirkt beruhigend; sehr gut … insbesondere in diesen Zeiten. Konzentrierte Ruhe webt sich auch im Duft des Tees durch ihr Atelier. Jetzt nicht „die besten Momente“ verpassen!

Mein Auge sieht allerdings am liebsten schwarz/weiß. Unmittelbar und unverfälscht. Immer ein stückweit symbiotisch mit dem Geschehen vor meiner Kamera; aber eben schwarz/weiß …

Sie weiß darum, hat mich deshalb in ihr Atelier eingeladen. Mir gefällt dieser Ansatz, eben, sich unsere individuellen Sichtweisen begegnen zu lassen. Und vor Allem verbindet uns ja ein schlichter, aber dann doch entscheidender Fakt! Nämlich „made here“!!!

„Here“ aka „within myself“ … Was hier passiert, entsteht und festgehalten wird – all das hält sich zwischen uns! Hände und Atem werden ruhiger, der Blick fokussiert sich, um dieser Dame, fotografisch, etwas näher zu kommen.

Aber zunächst in den Gegebenheiten ankommen …

So viele Details, Werkzeuge, Materialien die alle einen einzigen Fokus verbinden, füllen diesen, Stephanies, Schaffensraum. Ein Faden, ein Schnittmuster, Bleistiftgedanken, Knöpfe, Papiere, Stoffwelten und Kleiderhaken, etc … Der Nähmaschine ein Lämpchen anzuknipsen erlaube ich mir.

Stephanie und ich beginnen zu arbeiten, gewöhnen uns still aneinander.

Und dann, keine 10 Minuten später, spüre ich, sie hat meine Anwesenheit komplett vergessen, ist bereits wieder eingetaucht in ihre Schaffenswelt, um ihren Gedanken/Ideen die passende Kleidung zu kreieren.

Was ich ab da begleiten darf sind Momente einer hoch konzentrierten Künstlerin! Mal zentimetergenau lächelnd, ob einer getroffenen Passform, mal zeichenstift-radiergummi-unzufrieden, wenn Form, Maß und Vorstellung sich nicht auf Anhieb vereinen!

Ihr Blick hebt sich im Gespräch über ihren Vater. Er scheint relevant präsent an dem Tag. Meiner ist es irgendwie auch. Heben, senken; auf und ab … „made here“ … Noch etwas Verbindendes.

Stephanie wird im gemeinsamen Betrachten der entstandenen Fotos insbesondere ihren eigenen inneren Zensor urteilen hören. Aber nur kurz, dann findet sie schon wieder Lösungen für viel gegenwärtigere Themen! Die bereits geschätzte und erwartete Präsentation ihres Schaffens wird dieses Mal ein anderes Format bekommen. Keinen „Catwalk“ im gewohnten Sinne … Zeichen der Zeit eben. Stephanie findet, erdenkt, plant und realisiert dieses Neue parallel zur Gestaltung der letzten Entwürfe ihrer Kollektion …

Und all diese Konzentration, die ängstliche Unsicherheit, die Freude am dennoch Entstandenen darf ich momenthaft festhalten; herrlich!! Bereichernd, lebendig, authentisch;

Schwarz/Weiß eben; und dann kommen ihre Farben…